Burgstädt - Aus alter und neuer Zeit
1454 - 1993
ISBN 3-9805106-4-6
von Diplomlehrer Harald Weber
Verlag für sächsische Regionalgeschichte
2001

Inhaltsverzeichnis

Vorwort
Besiedlung und Stadtentstehung
Burgstädt um 1550
    Die Stadt und ihre Bürger
    Das Gerichtswesen
    Stadtbrände
    Der Schwarze Tod
    Reformation und Bauernkrieg
    Während des Schmalkaldischen Krieges
Burgstädt im Dreißigjährigen Krieg
Die Stadt im ausgehenden 17.Jahrhundert
    Die Leineweberinnung
    Die Bleichen
70 Jahre unter den polnischen Königen August II. und August III.
Die wirtschaftliche Entwicklung Burgstädts in den letzten Jahrzehnten des 18.Jahrhunderts
Johann Esche - ein Wirkwarenpionier
Die Burgstädter Strumpfwirker-Innung
Die Lage der Handwerker und Manufakturarbeiter
Der Bauernaufstand in den Schönburgischen Herrschaften 1790
Die Befreiungskriege gegen Napoleon im Jahre 1813
Burgstädt in der ersten Hälfte des 19.Jahrhunderts
    Eine Stadtbeschreibung von 1816
    Die Ablösung der Feudallasten durch eine Reform
    Die Kirche
    Die Anfänge der Stadtschule
    Die Anfänge einer Industrie in Burgstädt
Das stürmische Jahr 1849
Burgstädt im Deutschen Kaiserreich
    Der Deutsch-Französische Krieg von 1870/71
    Der Schulrat und Landtagsabgeordnete Dr. Heinrich Hahn
    Eisenbahnbau und Entwicklung der heimischen Industrie
    Die Entwicklung der Arbeiterbewegung
    Die Sozialdemokratie unter dem Sozialistengesetz
Probleme einer Verkehrsanbindung Burgstädts mit Mittweida
    Die projektierte Eisenbahn-Querverbindung
    Die Automobil-Omnibus-Gesellschaft
    Das Projekt einer elektrischen Kleinbahn Limbach - Mittweida
Bürgermeister Dr. jur. Johann Friedrich Roth
Die Novemberrevolution in Burgstädt
Der Kapp-Putsch
Die Inflation
Ein bedeutsames Dokument von 1928
200 Jahre privilegierte Schützengesellschaft zu Burgstädt
Das Burgstädter Original Fritz Röhrig
Burgstädt in den letzten Jahren der Weimarer Republik
Der faschistische Terror beginnt
Widerstandsarbeit
Krieg und Zusammenbruch
Kriegsausgang und unbesetzte Zone
8 Wochen unter US-Besatzung
Burgstädt unter sowjetischem Besatzungsregime
    Die neue Stadtverwaltung
    Willkürliche Verhaftungen im Kreis Rochlitz
    Schulbildung in schwierigen Jahren
    Die Gründung der SED
    Die Boden-, Industrie- und Bildungsreform 1945/1946
    Kommunal-, Kreis- und Landtagswahlenwahlen 1946
Burgstädt während des Sozialismus
    Die Kreisreform 1952
    Der 17. Juni 1953
    Die Gründung und Entwicklung der Landwirtschaftlichen Produktionsgenossenschaften (LPG)
    Die Volksbildung
    Burgstädt als Industriestadt
Vor und nach der Wende
Anhang
    Literaturverzeichnis
    Archive
    Sammlungen
    Zeitzeugen
    Bildnachweis
Der Autor


Vorwort

Diese Regionalia stellt einen Versuch dar, über mehr als 550 Jahre die Geschichte von Burgstädt im Zusammenhang darzustellen. Grundlage dafür waren 30 Jahre Quellenstudium und zahlreiche Artikel, die der Autor seit 1987 in der "Freien Presse" veröffentlichen konnte.

Nach Auswertung ausgewählter Quellen zur Geschichte von Burgstädt und seiner näheren Umgebung durfte die Darstellung historischer Ereignisse nicht nur auf den Ort beschränkt bleiben. Dadurch konnte der Autor Zusammenhänge herstellen und waren Wertungen möglich. Durch die Beschreibung der Lebensweise und des Arbeitsalltages unserer Vorfahren ist heute ein besseres Verständnis für den damals schwierigen Alltag der einfachen Menschen möglich.

Als die Wettiner Chemnitz und sein Umland erwarben, war auch Burgstädt aufs Engste mit allen Höhen und Tiefen der Geschichte Sachsens auf Jahrhunderte verbunden und manchmal auch ausgeliefert. So sind viele Ereignisse, die Burgstädt betrafen, nur im Zusammenhang mit der sächsischen Geschichte verständlich.

Da die Schönburger Grafen der Rochsburger Linie 300 Jahre Stadtherren von Burgstädt waren, wurde auch deren Geschichte im Zusammenhang mit der Geschichte der Stadt dargestellt.

In den Jahren 1945 bis 1993 war der Autor Augenzeuge der Ereignisse in Burgstädt, so daß er auch Autobiografisches mit einfließen lassen konnte. Der Verfasser hat selbst jahrzehntelang mit Teilen dieses Materials unter heimatgeschichtlichen Aspekten mit Erfolg unterrichtet.

Angesichts der ungeheueren Fülle von historischen Quellen über die Stadt, die im Kreisarchiv Wechselburg und im Sächsischen Haupt-Staatsarchiv in Dresden lagern, konnte der Autor natürlich nur einige Bereiche der Geschichte von Burgstädt darstellen. Mehrere historische Prozesse, Fakten und Details dürfte der Leser folglich vermissen.

Diplomlehrer Harald Weber
November 2001

Vor und nach der Wende

In den 80er Jahren ging alles seinen gewohnten "sozialistischen Gang". Die Burgstädter hatten alle ihre Arbeit, viele zogen sich in ihr privates Glück zurück. Die Feierabendarbeit blühte und wurde sogar von Staat und Stadt gefördert. Viele Handwerker, wie z.B. Automechaniker, verdienten abends und an den Wochenenden mehr, als am Tage bei der normalen Arbeit und das sogar steuerfrei. Manche Maurer arbeiteten bei den Häuslebauern fast nur noch gegen "grüne Fliesen" und boten ihre Dienstleistungen auf diese Weise sogar in der "Freien Presse" an. (Unter grünen Fliesen verstand man damals die grünen 20 DM - Scheine.) So konnten immer mehr Privilegierte im Karl-Marx-Städter Intershop die für Nichtprivilegierte unerreichbaren West-Waren kaufen.

Unter der Oberfläche kriselte es aber. Durch den europäischen Entspannungsprozeß ermöglicht, wurden in der DDR - nicht gern, aber gezwungenermaßen - Ausreiseanträge ausgegeben und mancher nutzte das auch, um relativ gefahrlos trotz Mauer und Stacheldraht in den "Goldenen Westen" überzusiedeln. Es konnten aber vom Antrag bis zur Ausreise Monate oder Jahre vergehen. Um diesen Prozeß zu verkürzen, provozierte mancher seine Verhaftung, um vom Westen freigekauft zu werden. Vor dem Karl-Marx-Städter Rathaus stand dann manchmal ein Bus, dessen Fenster verhangen waren und der die Ausreisewilligen in die Freiheit brachte. Viele blieben aber auf ihrem Ausreiseantrag sitzen und warteten und warteten und nichts geschah. Dadurch verloren viele Ausreisewillige ihren qualifizierten Arbeitsplatz. Sie wurden aber trotzdem nicht arbeitslos, denn man brauchte besonders in den letzten Jahren der DDR jede Arbeitskraft, besonders viele Hilfsarbeiter.

Ein junger Sportlehrer unseres Kreises hatte sonntags seinen Ausreiseantrag ausgefüllt und am Montag in den Briefkasten gesteckt. Am Dienstag nahm er wie gewohnt seinen Unterricht auf. Am frühen Morgen wurde beim Rat des Kreises - Abteilung Inneres - an der Dresdner Straße in Karl-Marx-Stadt der Brief mit dem Ausreiseantrag des Sportlehrers geöffnet. Bereits gegen zehn Uhr war der Kreisschulrat persönlich beim Direktor der betreffenden Schule, zehn Minuten später holte der Direktor den Lehrer während des Unterrichts aus der Turnhalle. Als der sich in der nun folgenden "Aussprache" weigerte, seinen Ausreiseantrag zurückzuziehen, wurde er vom Kreisschulrat augenblicklich fristlos aus dem Schuldienst entlassen. Der Kollege hatte noch eine Viertelstunde Zeit, seine persönlichen Sachen zusammenzupacken und bevor es noch zur nächsten Pause klingelte, war er aus seiner Schule hinausgeflogen. Einige Zeit später fuhr er mit dem Müllwagen durch den Ort. Als ihn ein Bekannter mit "Hallo" begrüßte, sagte er ihm: "Ich verdiene jetzt viel mehr, als ich in der Schule bekommen habe" und das stimmte.

Als sich nun die Ausreiseanträge im Kreis häuften, schwärmten 1987/88 alle Mitarbeiter des Kreises Karl-Marx-Stadt/Land - Abteilung Inneres - aus, um die Bürgermeister unseres Kreises nachdrücklich zu verpflichten, alles zu tun, daß im betreffenden Ort durch Aussprachen und offene Drohungen die Anzahl der Ausreisewilligen gesenkt wird. Diese Aktion hatte aber keinen Erfolg.

Im Mai 1989 waren in der DDR Kommunalwahlen. In einer Versammlung der Wahlhelfer im "Ernst-Thälmann-Haus" sagte ein hoher Staatsfunktionär der Stadt:
"Diese Wahl muß ein noch besseres Ergebnis haben, als die letzte."

Es kam aber völlig anders. Die - nicht veröffentlichten - Wahlergebnisse waren auch in Burgstädt niederschmetternd:
Gesichert ist jedenfalls, daß in einem einzigen Wahllokal der Stadt bei etwas mehr als 200 Direktwählern die Wahlkommission 12 Gegenstimmen zählte. Dabei kam es noch zu einer kontroversen Diskussion und mehreren Telefonaten des Wahlleiters, ob die Wahlzettel, auf denen alle Kandidaten der Nationalen Front fein säuberlich mit Lineal durchgestrichen waren, nun ungültige Stimmen oder Gegenstimmen sind. Die Namen derer, die in die Wahlkabine gingen, waren sofort von einem Mitglied des Wahlvorstandes, den man nur mit dieser Aufgabe beauftragt hatte, aufgeschrieben worden. Als die offiziellen Wahlergebnisse am nächsten Tag in der "Freien Presse" standen, war es jedem klar, daß die letzte Wahl in der DDR ein großer Betrug war.

Im Herbst 1989 kam dann die Wende: Burgstädter beteiligten sich an den Demonstrationen in Limbach-Oberfrohna und Karl-Marx-Stadt. In froher Erwartung über die gewonnene Reisefreiheit bildeten sich Mitte November 1989 lange Schlangen auf der Meldestelle, wo der Reisepaß abzuholen war und vor der Sparkasse, die die begehrten 15,- DM auszahlte. In Bayern, Hessen und Westberlin konnte das Begrüßungsgeld von 100 DM abgeholt werden, dabei wurde auch stundenlanger Stau von Chemnitz bis Hof, vom Hermsdorfer Kreuz bis Rudolphstein in Kauf genommen. Die Züge nach Berlin waren hoffnungslos überfüllt und nur mit den übervollen Zügen der ersten Nachkriegsjahre vergleichbar.

Unsere Bürger gingen mit großen Erwartungen in die neue Zeit, waren bei den Wahlen des Jahres 1990 aufgeschlossen und kooperativ, wie die Wahlergebnisse zeigten. An Wahltagen glich die Stadt einem Fahnenmeer. Die Wahlbeteiligung war so hoch, daß man heute davon nur noch träumen kann. Als ab 1. Juli 1990 die Mark der DDR im Verhältnis 2:1 in DM umgetauscht wurde, waren plötzlich alle Waren, die früher fehlten in den Geschäften. Autohäuser schossen wie Pilze aus dem Boden. Wer wenig Geld hatte, konnte von freundlichen fahrenden "Gebrauchtwagenhändlern" ein Auto vom übervollen Autoschrottplatz im Westen geliefert bekommen. Die Reisefreiheit nutzten viele für Urlaubsreisen in die alten Bundesländer und das benachbarte Ausland. In Oberbayern und in Frankreich wurde der Autor mit seinem fast neuen Trabant mit "Hallo" begrüßt. Ein Bayer quengelte so lange, bis ich ihm die Motorhaube öffnete, nur um zu sehen, ob tatsächlich ein Motor drin ist. Es war in den ersten zwei Jahren nach der Einheit allgemein eine Aufbruchsstimmung zu verzeichnen.

Leider wurden auch sehr viele Burgstädter bitter enttäuscht. Ein Betrieb nach dem anderen machte in der Stadt für immer zu. Immer mehr Einwohner wurden arbeitslos und sahen für sich keine Perspektive mehr. Die politischen Parteien im Burgstädter Stadtparlament waren untereinander zerstritten und lieferten sich in der "Melodie" unschöne Wortgefechte. Ein wichtiges Thema in den Sitzungen der Stadtverordneten 1993 war die künftige Kreiszugehörigkeit der Stadt. Burgstädt war schon einmal 1952 durch die verordnete Zugehörigkeit zum Kragenkreis Chemnitz/Land jahrzehntelang benachteiligt worden. Jetzt hieß es aufpassen, daß nicht ein paar Abgeordnete den gleichen Fehler begehen. Nach zwei Abstimmungen über die Frage Limbach (eigentlich Glauchau) oder Mittweida war eine scheinbar unlösbare Patt-Situation entstanden. Die 15 Abgeordneten der CDU-Fraktion und einige ihr nahe stehende Abgeordnete favorisierten natürlich Limbach. Die Begründung war, daß Burgstädt und Limbach enge wirtschaftliche Beziehungen haben. Das war aber nur die halbe Wahrheit, denn zu diesem Zeitpunkt waren bei uns die meisten Betriebe bereits abgewickelt oder lagen in den letzten Zügen. In dieser Situation, schlug der Ex-Bürgermeister Lothar Naumann vom Bauernbund den Stadtverordneten vor, über diese Frage eine Abstimmung in der Stadt durchzuführen. Die überwältigende Mehrheit der Burgstädter Wahlberechtigten entschieden sich selbstverständlich für den Anschluß an den neuen Kreis Mittweida. Diesmal verwirklichten die Burgstädter die Losung der Wende:

"Wir sind das Volk"


[in der Printausgabe des Buches wird das Kapitel fortgesetzt]


Verlag für sächsische Regionalgeschichte
Harald Weber
Hauptstraße 265a, 09249 Taura, Tel./Fax (03724) 854770
E-Mail: haraldweber@hotmail.de

Lieferbare Bücher des Verlages:

Harald Weber: Aus der Geschichte von Chemnitz und Umgebung 1136 – 1871
ISBN 978-3-9805106-3-9

Harald Weber: Kurze Geschichte Sachsens 1089-1871
ISBN 978-3-9805106-0-8

J. Th.Pinther: Chronik der Stadt Chemnitz und Umgegend oder Chemnitz wie es war und wie es ist.
ISBN 978-3-9805106-1-5

Harald Weber: Burgstädt - Aus alter und neuer Zeit - 1454 - 1993
ISBN: 978-3-9805106-4-6

Harald Weber: Militärgeschichte des Churfürstenthums Sachsen und Ihrer Königlichen Majestät in Pohlen 1613 - 1733
ISBN: 978-3-9805106-5-3

Harald Weber: Militärgeschichte des Churfürstenthums Sachsen 1733 - 1763 - Der Siebenjährige Krieg und die Sachsen
ISBN 978-6-6805106-6-2