ISBN 3-9805106-1-1
Harald Weber
Von
Julius Theodor Pinther.
Chemnitz, Selbstverlag des Verfassers.
1 8 5 5.
Schon mehrere Chroniken erschienen zu verschiedenen Zeiten von der Stadt Chemnitz, theils mehr oder weniger mit Sagen und Fabeln angefüllt, wodurch zwar die Geschichte dieser Stadt einen romantischen Anstrich erhielt, desto werthloser aber sich für den herausstellt, der die Wahrheit liebt. Lehmann in Schneeberg war der Einzige, der in dieser Angelegenheit die guten Körner von der Spreu schied und das Dun kel der Vergangenheit nach Kräften und wahrheitsgetreu lüftete, denn seine Angaben sind aus zuverlässigen Urkunden gezogen.
Ist nun auch diese Lehmannsche Chronik ein gutes Werk für den sprachkundigen Forscher, so ist sie es doch nimmermehr für den bürgerlichen Stand, denn sie ist mit zu vielen lateinischen und altdeutschen Urkunden angefüllt und wegen ihres Umfangs
immer ein kostspieliges Buch, daher aus beiden Gründen den Meisten unzugänglich. Dies nun, sowie die liebreiche Aufnahme, welche meine vor fast drei Jahren im Druck erschienene "Reise ins Morgenland" beim Publikum gefunden hatte, veranlaßten mich, die Chronik von Chemnitz vom Ursprung der Stadt bis auf die neueste Zeit in einem kürzeren Style auszuarbeiten, wodurch ich dieselbe billig abgeben kann und das Buch selbst Jeden leserlich und verständlich gemacht worden ist, endlich wurden mir von mehreren hiesigen achtbaren Männern die nöthigen Unterlagen gütigst an die Hand gegeben. So bitte ich nun den lieben Leser um freundliche Aufnahme der Geschichte unserer Stadt Chemnitz, danke den verehrten Subscribenten für deren gütige Betheiligung und zeichne
achtungsvoll Chemnitz, im April 1855. Julius Theodor Pinther.
Ursprung von Chemnitz, Einwanderung der Sorbenwenden, deren Unter jochung durch die Franken und Deutschen.
Vom 5. bis zum 10. Jahrhundert.
Der Ursprung der Stadt Chemnitz ist in ein leider undurchdringliches Dunkel gehüllt, welches wohl nie ganz gelichtet werden dürfte.
Der Name Chemnitz ist höchstwahrscheinlich sorbenwendischen Ursprungs, das Wort Kamen heißt in dieser Sprache SteinSteinbruch und Kemenate eine steinige Burg oder Wohnung und hiervon oder von der sehr steinigen Gegend mag es seinen Namen erhalten haben, die ersten Schreibarten für Chemnitz sind Kamenicz, Kamenz, Kempnitz, Kemnitz und mehrere andere.
Im 5. und 6. Jahrhundert nach Christo drangen die Sorbenwenden, ein slawischer Volksstamm von Polen und Ungarn
her in die verlassenen Wohnsitze der Hermunduren, der ältesten und bekanntesten Bewohner des Erzgebirges. Die Sorbenwen
den sind die Urväter unserer erzgebirgischen Bevölkerung und die Begründer unserer ersten Dörfer und Städte.
Dieselben waren ein rohes Nomadenvolk und lebten von Jagd, Viehzucht und Raub, vermischten sich später mit den Deut schen und Franken und wendeten sich mehr dem Ackerbau zu.
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Diese Vermischung entstand dadurch, daß die kriegerischen Franken im sechsten Jahrhundert nach Eroberung Thüringens ihre Herrschaft und das Christenthum über die Saale in's Land der Sorben allmählig nach blutigen Kämpfen, welche wohl 300 Jahre gedauert, ausbreiteten und endlich die Sorben völlig unterjochten.
Karl der Große demüthigte die Sorben das Erstemal, nach dem die Sachsen nach einem dreißigjährigen Kampfe unterworfen waren, sein Sohn Karl zog mit einem großen Heer über Eger nach unserer Gegend, machte nach harten blutigen Kämpfen die Sorbenfürsten Misito und Samelo tributpflichtig und legte meh rere Festungen als Halle und Magdeburg an, wodurch die sor bische und nordthüringische Mark begründtet wurden, aus denen später die Mark, Osterland und Ostthüringen entstand.
Der Ackerbau nahm nunmehr überhand und eine Menge von Dörfern, deren Namen noch heute ihren sorbenwendischen Ursprung bestätigen, mögen hierauf nach dem Gebirge zu ent
standen sein.
Die Sorbenwenden erbauten um diese Zeit am Fuße unseres Erzgebirges keine Städte, vielmehr suchten sie in dem ungeheuren MiriquidiWalde, der von Pirna bis zur Gränze von Baiern dieses Gebirge mit undurchdringlichen Waldungen bedeckte, eine Zuflucht vor den fränkischen Drängern, die Ihnen Freiheit, ihre Götter, Sitten und Gebräuche rauben wollten. Die alten burgischen Bewohner und die Landsleute der Lommatzscher Pflege beurkunden ihre sorbenwendische Abkunft am Besten.
Diesen Druck der Knechtschaft ertrugen die Sorbenwenden nicht ohne Widerstand, sie machten unter Kaiser Ludwig I. mehrmalige Befreiungsversuche, jedoch vergeblich; sie verweigerten im Jahre 843 den Tribut, als das fränkische Reich unter Ludwigs drei Söhne getheilt wurde und kämpften vergeblich für ihre Unabhängigkeit bis zum Jahre 869, wo sie als Vasallen unterworfen wurden. Trotzdem geschahen immer neue Aufstände und diese wurden
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von den Ungarn unterstützt, wobei fleißige Raubzüge in Deutsch lands Gauen unternommen wurden.
Gründung deutscher Colonieorte unter den Sorbenwenden, Chemnitz als
Colonieort, Bekehrung derselben zum Christenthum, vermeintliche Erbauung
der St. Jacobskirche und des Bergklosters, Chemnitz ein Markgrafenthum.
Die Chemnitzer leisten dem Kaiser tapfere Heeresfolge.
Von 919 bis 1124.
Heinrich I., der Finkler genannt, wurde im Jahre 919 zum König erwählt. Dieser schloß mit den unruhigen Ungarn einen neunjährigen Waffenstillstand gegen Leistung eines jährlichen Tri buts ab, und benutzte diese Zeit zur Anlegung von Städten und Burgwarten in seinen Erblanden Thüringen und Sachsen, er
theilte deren Vertheidigern besondere Privilegien und legte somit in unseren Gegenden den Grund zum Städtewesen und Bürger
stand.
Er unterwarf sich von 922 bis 929 die Abotriten, Heveller, Redarier, die Lausitzer Wenden und Daleminzier, letztere von der mittleren Elbe bis zum Chemnitzfluß und gründete die Stadt und Markgrafschaft Meißen, drang in Böhmen ein und zwang dessen Herzog Wenzeslav, sich als deutschen Vasallen zu bekennen. Auf seinem Rückzuge vollendete er die völlige Unterwerfung der hiesi gen Sorben durch Eroberung und Zerstörung ihrer letzten Festun gen Githan (Geithain), Chorin (Kohren) und Grunove (Grünau) und legte zur Beschützung des Landes und um die besiegten Sorben im Zaume zu halten, an mehreren geeigneten Orten Bur gen an, in welchen seine Burgvoigte oder Burggrafen zugleich die Vertheidigung und Rechtspflege der dazu gehörigen Bezirke handhabten. Unter diesen königlichen Beamten standen die
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Vorsteher und Aeltesten der Gemeinden und deren von den Burg voigten erwählten Richter.
Diese Burgvoigte hatten deutsches Kriegsvolk zur eignen Sicherheit und zu den Burgen bei sich; auch andere Ansiedlungen der Deutschen fanden Statt, indem Heinrich das gesammte nachherige Pleißnerland zu einem königlichen Kammer und Tafelland machte.
Mit diesem Pleißnerland bildete nun das Voigtland und das östliche Thüringen das nachmalige Markgrafenthum Osterland, in der Länge von Wettin nach Zörbig und in der Breite von Naumburg bis Chemnitz.
Eine solche aus Heinrichs I. Zeiten herstammende königliche Burgwarte war aller Wahrscheinlichkeit nach auch unser Chemnitz, um welche sich nach und nach die Wohnungen der Colonisten anreiheten.
Der eigentliche Platz dieses ersten Ursprungs von Chemnitz ist nicht mehr zu bestimmen, mehrere führten als solchen den Scharfrichterberg, auch Hüttemberg genannt, an.
Im Jahre 933 brachen die Ungarn wiederum in Deutschland ein und drangen nach Thüringen in zwei Haufen vor, in
dem ihnen König Heinrich den Tribut verweigert hatte, da er sich für stark genug hielt, um denselben die Spitze bieten zu können. Die Sorbenwenden getrauten sich diesmal nicht, ihren alten Bun desgenossen Hilfe zu leisten, auch hatte die Verbindung und Ver mischung der Deutschen mit den Sorbenwenden sowie die zuneh mende Civilisation, Ackerbau und Gewerbe den Stand der Dinge wesentlich verändert. Heinrich schlug die Ungarn bei Merseburg dermaßen, daß diese Gegenden für immer von diesen Quälgeistern befreit blieben und starb am 2. Juli 936.
Ihm folgte in der Regierung sein Sohn Otto I., dieser strebte dahin, die christliche Religion unter den Sorbenwenden einzuführen, denn noch gab es beim Antritt seiner Regierung Götzentempel und heilige Haine, die abgesendeten christlichen Prediger verstanden
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Nichts von der sorbenwendischen Sprache und oft wurde bei den Heidenbekehrungen das Schwerdt zu Hilfe genommen.
König Otto errichtete nun zu Magdeburg ein Seminarium zur Bildung wendischer Prediger, aus denen mehrere brauchbare Missionare hervorgingen. Er ließ überall Kirchen bauen, errichtete Pfarreien und die Neubekehrten mußten zur Unterhaltung der Geistlichen den zehnten Theil (decem) ihrer Einkünfte an Vieh, Getreide, Obst, Honig, Wachs, Leinwand und wenn sie Handel trieben, ebenfalls den zehnten Teil vom Gewinn angeben; dies aber war natürlich ein großes Hinderniß der Bekehrungen, und
viele Geistliche verglichen sich deshalb auf einen geringeren Antheil ihrer Bekehrten, welcher jedoch auch hier den Namen Zehnte fortbehielt.
Eine dieser von Otto I. gestifteten Kirchen soll auch die Hauptkirche zu St. Jacob in Chemnitz gewesen sein, zu welcher 938 der Grundstein gelegt wurde, nebst einer Münze darunter mit dem Bildniß des heiligen Jacob; diese Kirche soll klein und von Holz, nicht wie jetzt von Quadern aufgeführt gewesen sein, auch berichteten alte Chroniken, daß in dieser Kirche ein wunderthätiges Marienbild gewesen sei, zu welchem vornehmlich im Jahre 940 ein großer Zudrang stattgefunden habe, dieses Bild soll 1389 mit verbrannt sein. Andere behaupten, dieses Marienbild habe bei der Bergkirche (der jetzigen Schloßkirche) gestanden, an deren Stelle auf dem mit dichtem Walde bewachsenen Berge die Wohnung eines Waldbruders oder Einsiedlers sich befunden haben soll.
Was nun die Stiftung des Bergklosters zu Ehren der Jung frau Maria betrifft, so mag wohl auch Otto dessen Erbauer ge wesen sein.
974.
In diesem Jahre starb Otto I., sein Sohn Otto II. übernahm die Regierung, hatte jedoch soviel mit den Franzosen, Lothringern und Baiern zu thun, daß er auf die inneren Angelegenheiten seines Landes weniger Rücksicht nehmen konnte und die
...mehr in der Printausgabe
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Harald Weber: Aus der Geschichte von Chemnitz und Umgebung 1136 – 1871
Harald Weber: Kurze Geschichte Sachsens 1089-1871
J. Th.Pinther: Chronik der Stadt Chemnitz und Umgegend oder Chemnitz wie es war und wie es ist.
Harald Weber: Burgstädt - Aus alter und neuer Zeit - 1454 - 1993
Harald Weber: Militärgeschichte des Churfürstenthums Sachsen und Ihrer Königlichen Majestät in Pohlen 1613 - 1733
Harald Weber: Militärgeschichte des Churfürstenthums Sachsen 1733 - 1763 - Der Siebenjährige Krieg und die Sachsen
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