Jimmy Carter
Friedensnobelpreisträger 2002
39. Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika
Oslo, am 10.12.2002
Vorwort
Arduum res gestas scribere.
Diplomlehrer Harald Weber
"Reich an Waffenruhm, aber arm an glänzenden Erfolgen ist die Geschichte der sächsischen Armee gewesen...Meist fochten die Sachsen...auf der Seite der Unterliegenden" ,meinte vor vielen Jahrzehnten der Militärhistoriker Oberstleutnant a.D. Dr.Eberhardt, der Verfasser einer Abhandlung über „Die sächsischen Armee.“
Im Gegensatz zu Preußen hat keiner der sächsischen Potentaten aus seinem Land einen Militärstaat gemacht. Darum war es ein Land, das eine Armee besaß und nicht umgekehrt.
Mein Anliegen ist es, in einem Überblick über 120 Jahre sächsischer Militärgeschichte dem Leser behilflich zu sein, bestimmte einzelne militärhistorische Ereignisse in den Rahmen der sächsischen Geschichte einzuordnen und zusätzliche Informationen zu erhalten.
"Wer die Geschichte der einfachen Soldaten im Felde kennt,
der kennt auch die Geschichte aller Kriege!" (anonym)
Fast die gesamte militärhistorische Literatur über die Geschichte des sächsischen Heeres spiegelt den Standpunkt der herrschenden Feudalklasse wider. Dabei wird die Militärgeschichte als eine Sache der Feldherren dargestellt. Diejenigen, die die Siege oder Niederlagen der sächsischen Armee erfochten, die einfachen Soldaten und ihre Unterführer, erscheinen darin fast nur als Zahlen. Ihre Strapazen, Leiden, Nöte und Ängste werden einfach ausgeklammert. In diesem Buch soll auch von ihnen berichtet werden, wie die zum Militärdienst gepreßten Soldaten lebten und wie sie starben.
Im Mittelpunkt der Kriegsereignisse stehen nicht allein die Heerführer mit ihrer Strategie und Taktik, sondern in erster Linie die einfachen Soldaten. Einzelne Schlachten wurden nach den vorhandenen Quellen emotional dargestellt. Damit soll erreicht werden, daß der militärgeschichtlich interessierte Leser das Kampfgeschehen in vergangenen Zeiten miterleben kann. Ob mir das in jedem Fall gelungen ist, kann dahingestellt werden, aber einen Versuch war es jedenfalls wert.
Angesichts der ungeheueren Fülle von historischen Quellen und Schriften über die Militärgeschichte Sachsens mußte der Autor natürlich generalisieren. Dadurch kann es sein, daß der Leser manche historischen Prozesse, Fakten und Details vermißt.
Das Churfürstenthum Sachsen vor dem großen Kriege 1613-1618
Sachsen im Dreißigjährigen Krieg
Der Aufbau eines stehenden Heeres in Sachsen
Das Augusteische Zeitalter (1694-1763) Der erste Teil der Epoche August II., der Starke (1694-1733)
Anhang
Kaiserliche Truppen waren Mitte September nach Brandenburg entsandt worden, um sich mit den Sachsen gegen den schwedischen General Banér zu vereinigen. Brandenburg das keine Armee hatte, war Durchzugsland. Die brandenburgischen Dörfer und kleinen Städte waren deshalb der Soldateska schutzlos ausgeliefert. Die Heere von Freund und Feind mußten sich aus dem Land selbst versorgen, denn die Söldner erhielten selten Sold, sowie keine Verpflegung und Unterkunft.
Am 19. September 1636 zog eine alliierte Armee bestehend aus Reichstruppen, Kaiserlichen und einem sächsischen Kontigent nach Ruppin (jetzt Neuruppin). Kommandeure waren die Generäle Marazin und von Klitzing. Sie nahmen auf dem Weg nach Norden einen Umweg über Wittstock, weil sich dort ein Übergang über das morastige Gelände beiderseits der Dosse befand. Es waren zusammen 25.000 Mann, davon 10.000 sächsische Truppen mit 25 Geschützen. General von Klitzig, Kommandeur der Reichstruppen, stand noch bei Brandenburg, als er zur Waffenhilfe nach Wittstock gerufen wurde. Der schwedische General Banér erfuhr davon und wollte verhindern, daß sich von Klitzigs Einheiten mit den bei Wittstock befindlichen kaiserlich-sächsischen Truppen vereinigten. Durch sinnreiches Manövrieren schnitt der Schwede die verbündeten Heere in Wittstock an der Dosse, einem Nebenfluß der Havel, von den anmarschierenden Reichstruppen ab.
Die kaiserlich-sächsischen Einheiten bezogen auf dem Scharfenberg vor der kleinen Stadt Wittstock in der Prignitz Stellung. Dieser Hügel war durch einen langen, schmalen Waldstreifen geschützt. Dort brachten die Kaiserlichen ihre Batterien in Stellung und verpalisadierten sich mit Troßwagen. Der kampfbewährte schwedische Feldmarschall Johann Banér mußte feststellen, daß er mit seinen 16.000 Mann, davon ca. 5.000 Schweden und mehr als 10.000 Finnen, Deutschen, Livländern und Schotten dem Feind zahlenmäßig unterlegen war. Banér plante deshalb, die Kaiserlichen aus ihrer starken Stellung herauszulocken und dann in der Ebene zu umzingeln. Zu diesem Zweck zog General Torstenson mit der Hälfte der Reiterei durch den Wald. Die übrige Reiterei und das Fußvolk sollten unter Lesley im Schutz des Waldes herankommen und den ahnungslosen Feind in der Flanke und im Rücken angreifen. Als die Schweden aus dem Wald heraustraten, gerieten sie aber in mörderisches Artillerie- und Musketenfeuer. Lesleys Fußvolk führte daraufhin einen Flankenangriff durch, der eine kurze Atempause für Banér und Torstenson schaffte. Alles schien verloren, denn die feindlichen Batterien schossen pausenlos von der Anhöhe. So konnten anfangs die Schweden zurückgeschlagen werden.
Der kaiserliche Feldmarschall Graf Melchior von Hatzfeld, Kommandeur der vereinigten drei Kontigente, reagierte zwar auf die veränderte Situation und führte eine Frontveränderung durch, aber General King erreichte mit der anderen Hälfte der schwedischen Reiterei gerade noch rechtzeitig das Schlachtfeld. Die Kaiserlichen wurden nun von drei Seiten angegriffen, viele Einheiten eingekreist und von der Truppe abgeschnitten, so daß sich die Schlacht in viele Einzelgefechte auflöste. Der mörderische Kampf ging bis spät in die Nacht weiter. Zwar wurde der anfangs von den Schweden besetzte Scharfenberg später wieder zurückerobert, aber die Truppen waren nach dem stundenlangen Kampfgetümmel völlig erschöpft, ihre Kommandeure begannen zu fliehen. Feldmarschall Graf von Hatzfeld ließ daher den Kampf abbrechen und trat noch vor Mitternacht den Rückzug an. Die Reste der sechs sächsischen Reiterregimenter setzten sich nach Thüringen ab. Bezeichnend für diese Zeit war, daß mit Hans Vitzthum von Eckstädt ein Sachse als schwedischer Generalmajor Wesentliches zur Niederlage seiner Landleute beigetragen hat.
Im Alter von 14 Jahren nahm Hans Jakob Christoph von Grimmelshausen (1622-1676) als Troßbube an der Schlacht bei Wittstock teil. Er beschrieb in seinem Roman "Simplicius Simplicissimus" 1668 aus eigener Anschauung seine Kriegserlebnisse von dieser Schlacht:
"Die Erde, deren Gewohnheit ist, die Toten zu bedecken, war damals an selbigem Ort selbst mit Toten überstreut, welche auf unterschiedliche Manier gezeichnet waren. Köpfe lagen dorten, welche ihre natürlichen Herren verloren hatten, hingegen Leiber, die ihren Köpf mangleten; etliche hatten grausam- und jämmerlicherweis das Ingeweid heraus, und andern war der Köpf zerschmettert und das Hirn zerspritzt. Da lagen abgeschossene Ärm, an welchen sich die Finger noch regten, gleichsam als ob sie wieder in das Gedräng wollten.Dort lagen abgelöste Schenkel, welche, ob sie wohl der Bürde ihres Körpers entladen, danach viel schwerer worden waren, als sie zuvor gewesen. Da sahe man zerstümmelte Soldaten um Beförderung ihres Tods, hingegen andere um Quartier und Verschonung ihres Lebens bitten. Summa Summarum, das war nicht anders als ein elender, jämmerlicher Anblick." (13)
Die Schlacht bei Wittstock war die einzige Schlacht des Dreißigjährigen Krieges, die in Brandenburg geschlagen wurde und die letzte große Schlacht dieses Krieges. Künftig sollte es nicht mehr zu größeren Kampfhandlungen kommen, nur noch zu Abnutzungsgefechten.
Nach der siegreichen Schlacht bei Wittstock riß der schwedische Feldherr Johann Banér auf dem sächsisch-böhmischen Kriegsschauplatz die strategische Initiative wieder an sich. Die Schweden fielen Anfang 1637 in Böhmen ein, zogen sich aber bald vor einem kaiserlichen Heer unter Piccolomini nach Sachsen und später nach Thüringen zurück, um sich dort mit den Franzosen zu vereinigen. Es folgten noch sechs lange Jahre schwedischer Schreckensherrschaft, die Sachsen ausbluteten.
Da nach er Niederlage bei Wittstock Sachsen praktisch ohne militärischen Schutz war, wurden in dieser prekären Lage 1637 die Defensionsfahnen wieder aufgeboten. Kurfürst, Städte und Ämter hatten zu diesem Zeitpunkt aber kein Geld mehr, um den Defensionern ein Handgeld und den Unteroffizieren und Offizieren den Sold zu zahlen, so daß nur wenige Fändel zum Wachdienst eingezogen werden konnten. In kleinerem Maße bewährten sich die Defensioner bei der Belagerung von Leipzig 1637 und Freiberg 1639 durch Banér sowie bei der Einnahme von Pirna 1639.
(13) Hans Jakob Christoffel von Grimmelshausen DER ABENTEUERLICHE SIMPLICISSIMUS TEUTSCH Aufbau-Verlag Berlin und Weimar 1984, S. 177
...
[in der Printausgabe des Buches wird das Kapitel fortgesetzt]
[zurück zum Inhaltsverzeichnis]
Verlag für sächsische Regionalgeschichte
Lieferbare Bücher des Verlages:
Harald Weber: Aus der Geschichte von Chemnitz und Umgebung 1136 – 1871
Harald Weber: Kurze Geschichte Sachsens 1089-1871
J. Th.Pinther: Chronik der Stadt Chemnitz und Umgegend oder Chemnitz wie es war und wie es ist.
Harald Weber: Burgstädt - Aus alter und neuer Zeit - 1454 - 1993
Harald Weber: Militärgeschichte des Churfürstenthums Sachsen und Ihrer Königlichen Majestät in Pohlen 1613 - 1733
Harald Weber: Militärgeschichte des Churfürstenthums Sachsen 1733 - 1763 - Der Siebenjährige Krieg und die Sachsen
Vorwort
1) Die deutschen Landsknechte als kampfstärkste Söldner
2) Die Söldnerheere
3) Die Artillerie
4) Die Vervollkommnung der Handfeuerwaffen
5) Das Landesdefensionswerk
6) Das kursächsische Defensionswerk von 1613
1) Das Deutsche Kaiserreich am Vorabend des Krieges
2) Sachsen rüstet sich für den Krieg
3) Die Eroberung der beiden Lausitzen
4) Die Armee des schwedischen Königs
5) Der Kurfürst zwischen Kaiserlichen und Schweden
6) Die Schlacht bei Breitenfeld und ihre Folgen
7) Der Niedergang des Defensionswesens
8) Der Einfall der Kaiserlichen unter Holck
9) Die Schlacht bei Lützen am 16. November 1632
10) Die Veränderungen im militärischem Kräfteverhältnis
11) Die Schlacht bei Wittstock am 4. Oktober 1636 [VORSCHAU]
12) Die Veränderungen in der Zusammensetzung der Söldnerheere und ihrer Taktik
13) Die Kampfhandlungen bis zum Friedensschluß
1) Sachsen nach dem großen Kriege
2) Die Erneuerung des Defensionswerkes durch Johann Georg II.
3) Sachsen unter Kurfürst Johann Georg II.
4) Die Schaffung eines stehenden Heeres unter Johann Georg III.
5) Die Verbesserung der Bewaffnung und die neue Lineartaktik
6) Die Türken vor Wien - Der sächsische Kurfürst kämpfte mit seiner jungen Armee gegen die Invasoren
7) Frankreich besetzte die Rheinebene –
1691 übernahm Kurfürst Johann Georg III. im Reichskrieg gegen Frankreich den Oberbefehl
8) Militärische Maßnahmen unter Kurfürst Johann Georg IV.
1) Die ersten drei Jahre seiner Regentschaft
2) Kurfürst Friedrich August I. wird König August II. von Polen
3) Die Armee Sachsens zu Beginn des 18.Jahrhunderts
4) August II. löst den Nordischen Krieg aus (1700-1703)
5) Maßnahmen Augusts II., um die großen Verluste des Krieges auszugleichen
6) Die Neuformierung der Landes-Defension
7) Niederlagen Augusts in Polen - Sachsen wird Besatzungsgebiet
8) Erneuter Aufruf für die Defensioner
9) Karl XII. wird von russischen Truppen vernichtend geschlagen
10) Sachsen kämpfen in englisch-holländischem Sold gegen Frankreich
11) Rußland und seine Verbündeten siegten im Nordischen Krieg
12) Die Heeresreform unter August II. 1722 bis 1728
13) Das Zeithainer Lager 1730
14) Die Armeereform von 1732
Kleines Glossar weniger bekannter militärischer Begriffe
Literaturverzeichnis
Bildnachweis
Zeittafel
Danksagung
Der Autor
Das Fazit der Schlacht bei Wittstock:
19 Standarten, 130 Kanonen, der gesamte Troß und große Waffeenvorräte wurden von den siegreichen Schweden erbeutet. Die Wagen mit Schießpulver aber flogen in die Luft. Allein die sächsischen Verluste beliefen sich auf 463 Tote oder Gefangene, 5 Standarten und die gesamte Bagage gingen an den Feind verloren. Von der sächsischen Armee waren nur noch Trümmer vorhanden, die Artillerie ging gänzlich verloren. Durch diese schwere und blutige Niederlage der Reichsarmee und der kaiserlich-sächsischen Truppen war die militärische Macht Sachsens gelähmt, Kurfürst Johann Georg I. eingeschüchtert und das Land in den folgenden Jahren fast vollständig von den Schweden besetzt.
Harald Weber
Hauptstraße 265a, 09249 Taura, Tel./Fax (03724) 854770
E-Mail: haraldweber@hotmail.de
ISBN 978-3-9805106-3-9
ISBN 978-3-9805106-0-8
ISBN 978-3-9805106-1-5
ISBN: 978-3-9805106-4-6
ISBN: 978-3-9805106-5-3
ISBN 978-6-6805106-6-2